Dieser Hilferuf erreicht mich oft und jedes Mal befürchte ich das Schlimmste aber zum grossen Glück ist die Ursache der Schmerzen fast immer etwas ganz anderes. Mehr dazu später aber nun zurück zu diesem Ungius incarnatus, Onychocryptosis oder besser bekannt als eingewachsener Nagel.
Genauso eine Botschaft erreichte mich letztens auch, aber dieses Mal mit einem angehängten Foto und der Fall war klar: das ist wirklich ein SOS. Der Zeh war rot, angeschwollen und eitrig und es hatte sich schon «wildes Fleisch» gebildet.

Natürlich machte ich sofort Platz für eine Beratung / Behandlung und da erzählten mir die junge Frau und ihre Mutter, ihren Leidensweg. Nach 2-stündiger Wartezeit im Kinderspital drückte ein Arzt ein bisschen am Zeh rum und stellte fest, dass es entzündet war, man solle ein bisschen Creme einschmieren und schickte Sie weg. Eine andere Ärztin machte dasselbe, informierte die Patientin sich da nichts machen liess, Sie solle weiterhin eincremen und schickte Sie nach Hause. Ich bin perplex. Wie wurde der Patientin damit geholfen?
Was sind die Ursachen eines eingewachsenen Nagels?
Es gibt mehrere Faktoren, manchmal ist die Nagelform auch vererbt, aber der häufigste Grund ist das falsche Schneiden der Nägel. «Ja, aber … im Internet steht … man hat mir gesagt … ich dachte …» dass der Nagel nur viereckig geschnitten werden soll, dass die Ecken nie abgerundet werden sollen! Natürlich stimmt diese Aussage im Prinzip aber jeder Mensch hat andere Zehennägel, die Form muss dem Nagel, der Nagelhaut, der Zehenform angepasst werden und sonst passiert genau das, was man nicht will, der Nagel bohrt sich im Ecken in die Nagelhaut und wächst wacker weiter was mit grossen Schmerzen verbunden ist. Und noch etwas: Nagelknipser sind das Teufelswerk für Zehennägel! An den Händen kann nicht viel passieren aber an den Zehen, insbesondere dem Grossen der vermehrt gewölbt ist, wird mit diesem Utensil so oft ein Nagelspriessen übersehen.
Meiner jungen Kundin habe ich die Nägel gekürzt und den Spickel beim eitrigen Zeh rausgeschnitten denn da kann man cremen was das Zeugs hält, wenn der Störfaktor sich noch weiter reinbohren kann, wird die Entzündung nie heilen. Der anwesenden Mutter habe ich gezeigt, was ich für eine angebrachte Form des Nagels fand damit Sie es der Tochter zeigen kann denn zuvor waren die Ecken rasiermesserscharf. Gut desinfiziert, antibiotische Creme aufgetragen, eine Schutzbandage angebracht und einen Termin für die folgende Woche abgemacht in der Hoffnung die grosse Entzündung sei bis dann zurückgegangen damit ich den Nagelfalz gründlich säubern kann und jegliche Ecken und Kanten abrunden kann.
In der Zwischenzeit kann Sie sich auch Fussbäder mit Apfelessig machen damit die Keime getötet werden und als letzte Massnahme werden wir ihr eine BS Spange setzen (mehr dazu), aber nur wenn notwendig. Von einem chirurgischen Eingriff will die junge Frau nichts wissen und ich denke, dazu ist es noch viel zu früh denn das hat auch seine Konsequenzen, u.a. auch deformierte grosse Zehennägel.Auch zu beachten, gilt das Tragen enger Strümpfe / Socken als auch Schuhwerk, welches zu eng oder dem Fuss nicht angepasst ist und den Zehen unter grossen Druck setzt, also absolutes Tabu.
Und wenn es doch kein eingewachsener Nagel ist?
Das Schmerzempfinden ist für jeden anders. Manchmal habe ich Patienten, die sich krankschreiben lassen müssen, weil Sie nicht laufen können und ich muss die Ursache mit der Lupe suchen, so klein und unscheinbar ist der Übeltäter. Schmerz ist Schmerz, das muss man respektieren. Bei Frauen kommt es sehr oft vor, dass der Schmerz auf Hühneraugen im Nagelfalz zurückzuführen ist. Der Grund ist eindeutig zu viel Druck auf den Nagel im Schuh, der Nagelfalz ist «verstopft» mit harter Haut und schlussendlich bilden sich klitzekleine Hühneraugen. Nach einer gründlichen Säuberung des Nagelfalz und, wenn sehr extrem, das Anbringen einer BS Spange (mehr dazu) ist der Druck und der Schmerz meistens ganz behoben oder zumindest viel, viel weniger damit man wieder in Arbeitsschuh schlüpfen kann. Da empfehle ich immer einen Kontrolltermin in zeitnahem Abstand.
Fazit:
Der Fuss leistet jeden Tag so viel für uns, es ist naheliegend, dass wir dem Fuss auch Zuwendung und Pflege zurückgeben sollten, damit er uns noch lange schmerzfrei durchs Leben tragen kann. Machen Sie jetzt einen Termin zur Fusspflege ab.
